Gesundheitskollektiv Dresden / Solidarische Gesundheit Dresden e.V.

Wir sind eine heterogene Gruppe von aktuell 8 – 10 Menschen, die sich zusammengefunden haben, um sich kritisch mit dem bestehenden deutschen Gesundheitssystem auseinanderzusetzen. Dies findet sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene statt.
Wir möchten gemeinsam eine Poliklinik in Dresden etablieren, in welcher wir uns einer solidarischen Perspektive auf medizinische Versorgung und Gesundheitsfürsorge widmen. Inspiriert wurden wir dabei durch Initiativen aus Berlin und Hamburg, die solche Projekte bereits umsetzen.
Seit Februar 2018 treffen wir uns regelmäßig. In der Gruppe sind dabei verschiedene Ausbildungen und berufliche Hintergründe vertreten.
Wir verstehen uns nicht als geschlossene Gruppe und sind stets offen für alle Interessierten, wobei Wissensstand, Beruf, Ausbildung oder Ähnliches keinerlei Rolle spielen. Unsere Treffen finden zweiwöchentlich statt, die Termine werden im Kollektiv vereinbart und sind bei Interesse per E-Mail zu erfahren. Wir lehnen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ab und verstehen uns als Kollektiv, in dem alle Entscheidungen gemeinsam und im Konsens gefällt werden.

Missstände:

Wir haben festgestellt, dass in den letzten Jahrzehnten sowohl der Einzug der neoliberalen Politik in den Sektor der Gesundheitsversorgung als auch die zunehmende Ökonomisierung der Medizin stattgefunden haben. Gleichzeitig zeigt sich ein gesellschaftlicher Wandel, in dessen Folge Krankheit ausschließlich als individuelles Verschulden wahrgenommen wird. Unser Kollektiv eint die Kritik an diesen Vorgängen, weswegen wir ein Projekt zur ambulanten Gesundheitsversorgung planen, welches in der Praxis umsetzbare Alternativen zum derzeit etablierten System erarbeitet. Somit soll die (punktuelle) Verbesserung des aktuellen Gesundheitssystems für Patient*innen, aber auch Ärzt*innen und Pfleger*innen erfahrbar werden. Unser Angebot richtet sich dabei an alle Menschen, unabhängig von deren Herkunft, Religion, Versicherungs- und sozialem Status, Geschlecht, Aufenthaltstitel, Alter oder Erkrankungen.
Wir möchten, dass der Besuch in der allgemeinmedizinischen Praxis nicht mehr durch die Diskrepanz zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung, ökonomische Zwänge und Zeitmangel seitens der Pflege und des ärztlichen Personals bestimmt wird.

Konzept:

In der Wissenschaft ist seit den 1980er Jahren bekannt, dass selbst in so genannten “Überflussgesellschaften” wie der deutschen, arme Menschen häufiger erkranken und eher sterben als wohlhabendere. Trotz entsprechender Studienlage und Veröffentlichungen findet dieses Wissen in der medizinischen Praxis bis heute kaum Anwendung.
Ein wesentlicher Teil unseres Konzepts ist daher die Inblicknahme der sozialen Determinanten von Gesundheit, wie z. B. die Herkunftsfamilie, der sozioökonomische Status, der Bildungsstand und Beruf, das soziale und auch das Wohnumfeld. Diese beeinflussen unsere Gesundheit und Krankheit maßgeblich.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Interdisziplinarität. Durch engen Austausch zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen, wie beispielsweise Allgemeinmedizin, Sozial- und Rechtsberatung, Physio- und Psychotherapie, soll gemeinsam mit den Patient*innen ein individuelles Therapiekonzept erarbeitet werden.
Wir sind der Überzeugung, dass die Behandlung der Ursachen von Krankheit oder mangelnder Gesundheit langfristigere Erfolge zeigt, als es eine rein symptomorientierte Therapie vermag.
Die Poliklinik soll dabei nicht nur ein diskriminierungsfreier Raum sein, wir wollen uns außerdem aktiv gegen Diskriminierung einsetzen. Neben dem medizinischen Schwerpunkt möchten wir uns deswegen den verschiedenen Bereichen des sozialen Miteinanders und den Lebensverhältnissen der Menschen widmen.
Weiterhin wollen wir im Stadtteil und aus ihm heraus politisch aktiv sein, indem wir zum Beispiel Menschen für Gesundheits- und Präventionsthemen sensibilisieren. Durch Vernetzung mit weiteren Initiativen soll es zu einer kontinuierlichen Stadtteilarbeit kommen. Die möglichst enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort, den Stadtteilbewohner*innen, soll eine niedrigschwellige Präventionsarbeit ermöglichen, die die Menschen darin bestärkt, reflektiert mit Gesundheit und Krankheit umzugehen.
Wir wollen zunächst einen Raum schaffen, in dem unser Projekt nach und nach wachsen kann, um die entworfenen praktischen Ansätze zu verwirklichen.
Zeitgleich sehen wir die Notwendigkeit, Lobbyarbeit auf bundesweiter und kommunaler Ebene zu betreiben, um aufzuklären  und unser Konzept publik zu machen. Um dieses Ziel zu verfolgen, sind wir im Juli 2018 dem Polikliniksyndikat, einer bundesweiten Vernetzungsstruktur, beigetreten und stehen zudem in regem Austausch mit lokalen Akteur*innen.

Stand der Dinge:

Während unserer regelmäßigen Treffen planen wir diverse Veranstaltungen, um das Interesse für das Thema einer alternativen Gesundheitsversorgung im ambulanten Sektor zu wecken und Menschen für unser Projekt zu begeistern. Außerdem nutzen wir diese Veranstaltungen um uns selbst zu bilden und uns neue Themenbereiche zu erschließen.
Verschiedene Arbeitsgruppen vertiefen einzelne Themen und erarbeiten öffentliche Workshops und Vorträge. Ein Ziel ist es weiterhin, die Wissenshierarchien innerhalb der Gruppe so niedrig wie möglich zu halten und aktiv abzubauen.
Durch den regen Austausch mit anderen Gruppierungen, die in Hamburg, Berlin, Leipzig, Halle und Bremen ähnliche Projekte planen und zum Teil schon umsetzen, konnten wir uns bereits einige konkrete Ziele setzen. Mit all diesen Gruppen sind wir Teil des bundesweiten Poliklinik-Syndikats.
Parallel dazu findet eine Vernetzung mit anderen Initiativen in Dresden statt, die ähnliche Themen bearbeiten und sich beispielweise mit “Recht auf Stadt” auseinandersetzen oder der medizinischen Versorgung marginalisierter Personen widmen.